Allele: Jedes Gen nimmt eine bestimmte Stelle in einem Chromosom ein, die man seinen «Ort» nennt. An jedem Ort können alternative Formen des dorthin gehörenden Gens existieren. Diese Varianten gleichen Gens werden Allele genannt.

Anpassung: Eine Fähigkeit der Organismen, die ihnen Vorteile zu schaffen scheint, im allgemeinen im Sinne der Überlebens- und Fortpflanzungsfähigkeit. Erklärungsmodelle für die zielgerichtete oder scheinbar zielgerichtete Natur der Anpassung werden unter dem Gesichtspunkt der Teleologie oder Teleonomie gesucht.

Atavismus: Das Wiederauftreten von Merkmalen mehr oder weniger weit zurückliegender Vorfahren. Auch «Rückschlag» genannt.

Atom: In der seit den alten Griechen bestehenden Philosophie, Atomismus genannt wird, ist das Atom die ewige, unwandelbare, unzerstörbare und homogene letzte Einheit der Materie. In der Chemie ist es die kleinste Einheit eines Elements, die an einer chemischen Reaktion beteiligt sein kann. In der modernen Physik ist es eine komplexe Aktivitätsstruktur mit einem Kern in der Mitte und um diesen herum Elektronen auf verschiedenen Energieniveaus. Der Kern und seine Bestandteile sind wiederum komplexe Aktivitätsstrukturen.

Atomismus: Die Lehre, dass alle Dinge aus letzten, unteilbaren und bewegungsfähigen Materieeinheiten bestehen. Diese letzten Teilchen sind die ewige Grundlage von allem Wirklichen. In der modernen Form dieser Philosophie wurden die Atome als «Grundbausteine» der Materie von den subatomaren Teilchen abgelöst.

Attraktor: Ein Begriff der modernen Dynamik, der die Grenze bezeichnet, zu der die Bahnen des Wandels in einem dynamischen System hinlenken. Attraktoren liegen im allgemeinen in Attraktions- oder Anziehungs-Bassins. Die Attraktoren und ihre Bassins sind die Hauptzüge der auf René Thom zurückgehenden mathematischen Modelle morphogenetischer Felder.

Chreode: Eine kanalisierte Bahn des Wandels in einem morphischen Feld.

Chromosomen: Mikroskopische fadenartige Strukturen in den Kernen lebender Zellen, aber auch in kernlosen Zellen wie etwa Bakterien.

Dialektischer Materialismus: Eine Form des Materialismus, in dem Materie nicht als etwas Statisches angesehen wird, dem Wandel und Entwicklung von außen diktiert werden muss; vielmehr enthält die Materie hier selbst jene Spannungen oder «Widersprüche», die als treibende Kraft der Veränderung wirken.

DNS, Desoxyribonukleinsäure: Ein Riesenmolekül aus vielen chemischen Einheiten, Nukleotide genannt, die linear zu einem langen Strang verbunden sind. Normalerweise sind zwei solche Stränge parallel miteinander verknüpft und zu einer Doppelschraube eingerollt, die man Helix nennt. DNS ist das Material der genetischen Vererbung, aber bei höheren Organismen scheint nur ein kleiner Teil der DNS in den Genen zu liegen. Die DNS enthält vier Arten von Nukleotiden, und die Sequenz dieser Nukleotide ist die Basis des genetischen Codes. Bei der sogenannten Replikation lösen sich die beiden DNS-Stränge voneinander, und die jeweils fehlende Seite wird neu aufgebaut. Der genetische Code der Gene kann in Sequenzen von Aminosäuren «übersetzt» werden, die sich zu Ketten verbinden und damit Proteine bilden. Die Proteinsynthese richtet sich nach Molekülen von RNS (Ribonukleinsäure), die als Schablonen dienen. Sie werden aus der DNS der Gene «transkribiert».

Dominanz: Dominant nennt man in der Genetik ein Gen, das in Verbindung mit einem Allel den gleichen Phänotyp erzeugt wie in Verbindung mit einem identischen Gen. Das in Anwesenheit eines dominanten Gens unwirksame Allel wird «rezessiv» genannt.

Dualismus: Die philosophische Lehre, dass Geist und Materie unabhängig voneinander existieren und eines nicht auf das andere zurückgeführt werden kann (s. auch Materialismus).

Energie: Allgemein die Fähigkeit oder Kraft, eine Wirkung hervorzubringen. In der Physik ist Energie die Eigenschaft eines Systems, die das Maß seiner Fähigkeit, Arbeit zu verrichten, angibt. Arbeit ist definiert als das, was geschieht, wenn eine Kraft ihren Angriffspunkt verlagert Energie kann potentiell oder kinetisch sein, und sie nimmt die verschiedensten Formen an: elektrische, thermische, chemische Energie, Kernenergie, Strahlungsenergie und mechanische Energie.

Entelechie: In der aristotelischen Philosophie das Lebensprinzip, gleichgesetzt mit der Seele (oder Psyche im altgriechischen Sinn des Wortes). Die Entelechie ist sowohl die formative als auch die finale oder Zweck-Ursache eines lebendigen Organismus: Allem Lebendigen wohnt ein Lebenszweck inne. In Hans Drieschs Vitalismus ist Entelechie das nichtmaterielle Lebensprinzip, ein lenkender, teleologischer Kausalfaktor, der für Harmonie bei Entwicklung, Verhalten und den mentalen Prozessen sorgt (s. auch genetisches Programm und morphisches Feld).

Epigenese: Die Bildung ganz neuer Strukturen während der embryonalen Entwicklung (s. auch Präformation).

Evolution: In der Biologie seit Darwin die Entstehung oder Entwicklung der Arten. Ursprünglich der Begriff für die Entwicklung individueller Organismen, die nach der Präformationslehre nichts weiter als die Entfaltung praexistierender Strukturen war. Erst in den dreißiger Jahren des vorigen Jahrhunderts wurde der Begriff auf die stammesgeschichtliche Wandlung der Organismen angewendet. Von den sechziger Jahren an bezeichnete der Begriff dann ganz allgemein die historische Wandlung des Lebendigen, die man als zielgerichtete, fortschreitende Höherentwicklung auffasste. Mit Darwins Theorie der Evolution durch natürliche Selektion trat der blinde Zufall an die Stelle der Zielgerichtetheit, und dieser Auffassung folgt auch der Neodarwinismus, der die vorherrschende Lehrmeinung in der modernen Biologie darstellt. Andere Evolutionsphilosophien postulieren ein der Materie oder dem Leben innewohnendes schöpferisches Prinzip, und manche sehen im Evolutionsprozess die Manifestation eines lenkenden oder zielgerichteten Prinzips. Nach der modernen Kosmologie ist das ganze Universum ein evolutionäres System.

Feld: Eine Region, in der physikalische Wirkungen festzustellen sind. In ihrem Einflussbereich verbinden und verflechten die Felder Materie und Energie miteinander. Felder sind keine Form der Materie; Materie ist vielmehr Energie, die in Feldern gebunden ist. Die heutige Physik kennt mehrere Grundarten von Feldern: Gravitationsfelder, elektromagnetische Felder und die Materiefelder der Quantenphysik. Die Hypothese der Formenbildungsursachen weitet den Begriff des physikalischen Feldes über diese anerkannten Felder hinaus auf die morphischen Felder aus.

Form: Die Gestalt, Konfiguration oder Struktur von etwas im Unterschied zu seinem Material. In der platonischen Tradition ist «Form» die Übersetzung des griechischen eidos und austauschbar mit dem Begriff «Idee». Besondere Dinge, die uns in der Welt der Erscheinungen begegnen, haben teil an diesen ewigen Formen oder Ideen oder Urbildern, die Raum und Zeit transzendent sind. In der aristotelischen Tradition dagegen sind die ewigen Formen den Dingen selbst immanent. Im Nominalismus besitzen Formen keine von unserem Bewusstsein unabhängige objektive Wirklichkeit.

Formenbildungsursachen, Hypothese der: Die Hypothese, daß Organismen oder morphische Einheiten auf jeder Entwicklungsebene durch morphische Felder organisiert werden, die selbst wiederum durch morphische Resonanz mit allen früheren morphischen Einheiten ähnlicher Art beeinflußt und stabilisiert werden.

Gedächtnis: Die Fähigkeit des Erinnerns und Wiedererkennens. Für das mechanistische Denken beruht das Gedächtnis von Mensch und Tier auf materiellen Erinnerungsspuren im Nervensystem. Die Hypothese der Formenbildungsursachen sagt demgegenüber, daß das Gedächtnis, und zwar sowohl mit seinen bewussten als auch mit seinen unbewussten Inhalten, auf morphische Resonanz zurückzuführen ist.

Geist: Im kartesianischen Dualismus wird der bewusste, denkende Geist vom materiellen Körper unterschieden; der Geist ist immateriell. Das materialistische Denken führt den Geist auf das physikalische Geschehen im Gehirn zurück. Die Tiefenpsychologie zeigt auf, dass der bewusste Geist mit einer viel tieferen und breiteren mentalen Ebene, dem Unbewussten, verbunden ist. Nach Jungs Auffassung gibt es nicht nur ein individuelles, sondern auch ein kollektives Unbewusstes. Nach der Hypothese der Formenbildungsursachen findet alles geistige Geschehen im Rahmen und aufgrund von mentalen Feldern statt, denen - wie morphischen Feldern anderer Art - eine Art Gedächtnis innewohnt.

Gen: Eine Einheit dessen, was als Material der Vererbung aufgefaßt wird. Gene bestehen aus DNS und sind auf Chromosomen angeordnet. Ein einzelnes Gen ist ein Chromosomen-Abschnitt, der ein Merkmal oder eine Gruppe von Merkmalen eines Organismus auf bestimmte Weise beeinflusst. Alternative Formen eines Gens werden Allele genannt. In verschiedenen Schulen wird der Begriff «Gen» unterschiedlich definiert: Die Molekularbiologen fassen das Gen meist als ein Stück DNS auf, in dem die Sequenz von Aminosäuren in einem Protein kodjert ist. Für manche Richtungen des Neodarwinismus ist das Gen die Einheit der Selektion, und Evolution wird als der Gesamtprozess der allmählichen Verschiebung von Gen-Häufigkeiten aufgefasst.

Genetisches Programm: Ein Programm ist grundsätzlich der Plan bestimmten Ablaufs wie etwa bei einem Konzertprogramm oder Computerprogramm. Der Begriff des genetischen Programms impliziert, dass ein Organismus solche Pläne von intendierten Abläufen erbt. Man geht davon aus, dass diese Pläne in den Genen niedergelegt sind. Das genetische Programm ist die Metapher, durch die Vorstellungen wie zielgerichtete Aktivität oder Formenbildungsursachen Eingang in die moderne Biologie finden.

Genotyp: Die genetische Konstitution eines Organismus (vgl. Phänotyp).

Gestalt: Ein in seiner Prägung durch die Gestaltpsychologie gebräuchlich gewordener Begriff, der die Ganzheitlichkeit eines betrachteten Gegenstands in ihren drei Aspekten Struktur, stoffliche Beschaffenheit und Wesensmerkmale zum Ausdruck bringt. Charakteristisch für Gestaltqualitäten einer Ganzheit ist, daß sie nicht aus den Teilen, nicht einmal aus der Summe aller Teile dieser Ganzheit abzuleiten sind.

Gewohnheit oder Habitus: Eine erworbene körperliche oder mentale Disposition; eine meist durch häufige Wiederholung entstandene Tendenz zu bestimmten Erscheinungsbildern oder Verhaltensweisen; alles, was Usus, Brauch oder üblich geworden ist. In der Biologie bezeichnet man mit dem Begriff «Habitus» die charakteristische Wuchsform von Pflanzen und das Erscheinungsbild von Tieren, in der Kristallographie die charakteristischen Formen, die Kristalle annehmen. Nach der Hypothese der Formenbildungsursachen werden die Merkmale morphischer Einheiten, der einfachsten wie der komplexesten, durch Wiederholung aufgrund von morphischer Resonanz immer mehr zur Gewohnheit.

Habitus: Gewohnheit

Holismus: Die Lehre, dass das Ganze mehr ist als die Summe seiner Teile (vgl. Reduktionismus).

Holon: Ein Ganzes, das auch Teil eines größeren Ganzen sein kann. Holons sind zu vielschichtigen geschachtelten Hierarchien oder Holarchien organisiert. Dieser von Arthur Koestler geprägte Begriff ist dem der morphischen Einheit äquivalent.

Homöotische Mutation: Eine Mutation, durch die ein Körperteil sich in einer für einen anderen Körperteil typischen Weise entwickelt. Bei Taufliegen ist etwa der Fall bekannt, dass an der Stelle, wo sich normalerweise ein Fühler befindet, ein Bein wächst. Information: «Informieren» bedeutet wörtlich «in eine Form oder Gestalt bringen». Eine allgemeine Definition des Begriffs könnte lauten: das, was Form oder Ordnung in die Welt bringt. In der Biologie spielt Information eine Rolle als formenbildende Ursache, etwa im Begriff der genetischen Information.

Informationstheorie: Ein Zweig der Kybernetik, in dem es darum geht zu bestimmen, wieviel Information erforderlich ist, um Prozesse von bestimmter Komplexheit zu steuern. Information in diesem engeren technischen Sinne wird in Bits angegeben. Ein Bit ist die Informationsmenge, die erforderlich ist, um eine von zwei Alternativen zu spezifizieren, etwa um in der binären Computersprache zwischen 1 und 0 zu unterscheiden.

Interaktionismus: Eine Form des Dualismus, gemäß der es Wechselwirkungen zwischen Geist und Materie geben kann: Mentale Ereignisse können Ursache für physikalische Ereignisse werden und umgekehrt.

Kraft: Im allgemeinen als aktive, wirksam werdende Energie verstanden. Im engeren physikalischen Sinne eine äußere Wirkgröße, die den Bewegungszustand eines Körpers ändern kann.

Kybernetik: Die Theorie der Kommunikation und der Steuerungsmechanismen in lebendigen Systemen und Maschinen.

Lamarcksche Vererbung: Die Vererbung erworbener Merkmale. Bis ins späte neunzehnte Jahrhundert galt allgemein als selbstverständlich, dass Merkmale, die sich aufgrund von Lebensumständen oder Gewohnheiten bilden, vererbt werden können, und sowohl Lamarck als auch Darwin teilten diese Auffassung. Nach der vorherrschenden Lehrmeinung der heutigen Genetik ist diese Art der Vererbung aus theoretischen Gründen unmöglich (s. Mendelsche Vererbung).

Materialismus: Die Lehre, dass alles Existierende entweder Materie oder vollständig von Materie abhängig ist.

Materie: Stoff, der traditionelle Gegenbegriff für Form oder Geist. Im philosophischen Materialismus ist Materie die Substanz und Basis aller Wirklichkeit und wird im allgemeinen atomistisch aufgefasst. In der Newtonschen Physik steht Materie, die durch Masse und Ausdehnung gekennzeichnet ist, im Gegensatz zur Energie. Nach der Relativitätstheorie sind Masse und Energie ineinander überführbar, und materielle Systeme werden jetzt als Formen von Energie angesehen.

Mechanik: Im allgemeinen Verständnis die Theorie und Praxis des Erfindens und Konstruierens von Maschinen, der Erklärung ihrer Wirkungsweise und der Berechnung ihrer Effizienz. In der Physik das Studium des Verhaltens von Materie unter der Einwirkung von Kraft. Die Newtonsche Mechanik ist zunächst durch die Relativitätstheorie grundlegend modifziert worden; für die Erklärung von Phänomenen im mikrophysikalischen Bereich wurde sie durch die Quantenmechanik ersetzt.

Mechanistische Theorie: Die Theorie, dass sich alle physikalischen Phänomene mechanisch erklären lassen und Ziel- oder Zweckvorstellungen hierfür nicht relevant sind (vgl. Teleologie). Die zentrale Metapher der mechanistischen Theorie ist die Maschine. Im siebzehnten Jahrhundert stellte man sich das Universum als große Maschine vor, die von Gott entworfen, gemacht und in Gang gesetzt worden war und von seinen ewigen Gesetzen regiert wurde. Gegen Ende des neunzehnten Jahrhunderts bestand die Maschinenmetapher zwar immer noch, doch es war jetzt eine langsam auslaufende Maschine, die irgendwann stehen bleiben wurde. Die mechanistische Richtung in der Biologie betrachtet lebendige Organismen als im Grunde unbelebte Maschinen oder mechanische Systeme: Alle Lebensphänomene lassen sich anhand mechanischer Modelle erklären und sind letztlich nichts weiter als Physik und Chemie.

Mem: Von Richard Dawkins in Analogie zu «Gen» geprägter neuer Begriff, definiert als: «Eine Einheit der kulturellen Vererbung, hypothetisch als dem einzelnen Gen analog aufgefasst und wie dieses der natürlichen Selektion unterworfen aufgrund seiner <phänotypischen> Konsequenzen für seine Überlebens- und Replikationsfähigkeit in seiner kulturellen Umwelt.»

Mendelsche Vererbung: Vererbung aufgrund von Paaren diskreter Erbfaktoren, die jetzt den Genen gleichgesetzt werden. Beide Elternorganismen steuern je einen Faktor zu diesem Paar bei. Gemeinsam können die beiden Faktoren einen gemischten oder «intermediären» Phänotyp hervorbringen, aber sie selbst mischen sich nicht und werden unverändert an künftige Generationen weitergegeben.

Molekül: Eine chemische Einheit. Die kleinste Menge einer chemischen Verbindung, die unabhängig existieren kann. Jede Molekülart besitzt ihre charakteristische atomare Zusammensetzung und Struktur und spezifische physikalische und chemische Eigenschaften.

Morphische Einheit: Eine Einheit der Form oder Organisation, zum Beispiel: Atom, Molekül, Kristall, Zelle, Pflanze, Tier, Muster instinktiven Verhaltens, soziale Gruppe, Element der Kultur, Ökosystem, Planet, Planetensystem, Galaxis. Morphische Einheiten sind zu geschachtelten Hierarchien von Einheiten in Einheiten organisiert. Ein Kristall etwa enthält Moleküle, und diese wiederum enthalten Atome; die Atome enthalten Elektronen und Kerne, die Kerne Kernteilchen und die Kernteilchen Quarks.

Morphische Resonanz: Der Einfluss, den vergangene Aktivitätsstrukturen auf spätere, von morphischen Feldern organisierte Aktivitätsstrukturen ähnlicher Art ausüben. Aufgrund von morphischer Resonanz können formative Kausaleinflüsse über Raum und Zeit wirksam werden; sie können nur aus der Vergangenheit kommen, und ihre Wirkung verringert sich nicht mit wachsender räumlicher oder zeitlicher Entfernung. Je größer die Ähnlichkeit, desto stärker der Einfluss der morphischen Resonanz. In der Regel besteht eine große Ähnlichkeit zwischen einer morphischen Einheit und ihren eigenen vergangenen Zuständen, so dass sie in Resonanz mit ihrer eigenen Vergangenheit steht.

Morphisches Feld: Das Feld in und um eine morphische Einheit, das deren charakteristische Strukturen und Aktivitätsmuster organisiert. Morphische Felder liegen der Form und dem Verhalten von Holons oder morphischen Einheiten auf allen Ebenen der Komplexität zugrunde. Der Begriff «morphisches Feld» bezieht sich nicht nur auf morphogenetische Felder im engeren Sinne, sondern auch auf Verhaltensfelder, soziale Felder, kulturelle Felder und mentale Felder. Morphische Felder werden durch morphische Resonanz mit früheren morphischen Einheiten einer ähnlichen Art (die demzufolge unter dem Einfluss ähnlicher morphischer Felder standen) geformt und stabilisiert. Sie enthalten daher eine Art kumulative Erinnerung und haben eine Tendenz zu fortschreitender Habitualisierung. (Hier geht es zu einer ausführlichen Darstellung.)

Morphogenese: Das Entstehen von Form.

Morphogenetisches Feld: Ein Feld, das bei der Morphogenese eine kausale Rolle spielt. Der Begriff kam in den zwanziger Jahren auf und hat heute seinen festen Platz in der Entwicklungsbiologie, wenngleich die Natur des morphogenetischen Feldes noch nicht aufgeklärt werden konnte. Im Rahmen der Hypothese der Formenbildungsursachen bilden sie eine Unterart der morphischen Felder und werden durch morphische Resonanz stabilisiert.

Mutation: Eine plötzliche Veränderung. Mutationen sind am Phänotyp von Organismen zu erkennen und im allgemeinen auf Veränderungen im Erbmaterial zurückzuführen. Heute sind mit dem Begriff meist Zufallsänderungen in den Genen gemeint.

Natur: Traditionell als Mutter Natur personifiziert. Die schöpferische und steuernde Kraft in der materiellen Welt und unmittelbare Ursache aller Phänomene dieser Welt. Auch das Wesen der Dinge im Sinne der Ganzheit ihrer Eigenschaften, die ihnen ihren unverwechselbaren Charakter verleihen. Oder die innere Kraft, der innere Impuls, der die Aktivitäten der Lebewesen ausrichtet und lenkt. Nach der herkömmlichen Auffassung der Naturwissenschaft besteht die Natur aus Materie, Feldern und Energie und wird von meist als ewig erachteten Naturgesetzen regiert.

Neodarwinismus: Die moderne Version der Darwinschen Theorie der Evolution durch natürliche Auslese. Im Gegensatz zur Darwinschen Theorie wird hier jedoch die Möglichkeit der Lamarckschen Vererbung ausgeschlossen; Vererbung beruht allein auf der Weitergabe von Genen nach den Regeln der Mendelschen Vererbung. Genmutation ist zufällig, und das Mengenverhälmis, in dem alternative Gene (Allele) innerhalb einer Population zueinander stehen, wird durch natürliche Auslese beeinflusst. In der extremsten Form sieht der Neodarwinismus in der Evolution nicht mehr als Veränderungen von Genhäufigkeiten innerhalb von Populationen.

Organizismus: Eine Form des Holismus, nach der die Welt auf allen Ebenen der Komplexität aus Organismen (oder Holons oder morphischen Einheiten) besteht. Organismen sind Ganzheiten, die aus Teilen bestehen, welche selbst wieder Organismen sind und so weiter; sie sind zu geschachtelten Hierarchien organisiert. Die Teile eines Organismus können nur anhand ihres Wirkens und ihrer Funktionen im bestehenden Ganzen verstanden werden. Organismen in diesem Sinne sind zum Beispiel Atome, Moleküle, Kristalle, Zellen, Gewebe, Organe, Pflanzen und Tiere, Gesellschaften, Kulturen, Ökosysteme, Planeten, Planetensysteme und Galaxien. Der ganze Kosmos wird hier als Organismus aufgefasst und nicht als Maschine (vgl. mechanistische Theorie).

Paradigma: Ein Beispiel oder Muster. Wissenschaftliche Paradigmen sind nach Thomas S. Kuhn allgemeine Betrachtungsweisen der Welt, die unter den Mitgliedern einer wissenschaftlichen Gemeinschaft anerkannt sind und Modelle für akzeptable Problemlösungsverfahren liefern.

Phänotyp: Das Erscheinungsbild eines Organismus; seine erkennbaren Merkmale. Der Genotyp ist demgegenüber das genetische Material, das ein Organismus von den Elternorganismen erbt.

Physikalismus: Eine moderne Form des Materialismus. Die Lehre, dass alle wissenschaftlichen Aussagen, auch solche über mentales Geschehen, sich im Prinzip physikalisch formulieren lassen.

Platonismus: Die philosophische Tradition, die in der Nachfolge Platons die Existenz eines eigenständigen Reichs der Ideen oder ewigen Formen oder Urbilder oder Essenzen postuliert, die außerhalb von Raum und Zeit existieren und unabhängig davon, ob sie in der Welt der Phänomene manifestiert sind oder nicht.

Präformation: Die (inzwischen widerlegte) Theorie, dass erwachsene Organismen bereits mit allen ihren Zügen in der befruchteten Eizelle vorgeformt sind. Die embryonale Entwicklung besteht nach dieser Theorie lediglich in der Entfaltung oder «Entwicklung» dieser vorgeprägten Strukturen.

Protein: Eiweiß; besteht aus komplexen organischen Molekülen, in denen Aminosäuren zu so genannten Polypeptidketten verbunden sind. Die Sequenz der Aminosäuren eines bestimmten Proteins wird von der Sequenz der Nukleotide in der DNS des zuständigen Gens festgelegt. Ein Protein kann eine oder mehrere solcher Ketten haben, die sich zur charakteristischen dreidimensionalen Konfiguration des jeweiligen Proteins einfalten. Proteine findet man in allen Organismen, und es gibt sie in vielen verschiedenen Arten. Viele Proteine sind Enzyme, die Katalysatoren biochemischer Reaktionen; andere spielen die verschiedensten Rollen in den Geweben des Organismus.

Pythagoreer: Eine Schule des griechischen Denkens, die das Universum als wesenhaft mathematisch ansah. Die fundamentale mathematische Wirklichkeit ist Raum und Zeit transzendent. Viele Übereinstimmungen mit dem Platonismus.

Reduktionismus: Die Lehre, dass komplexere Phänomene auf weniger komplexe zurückgeführt werden können. In der Philosophie die Theorie, dass menschliches Verhalten letztlich auf das Verhalten von unbelebter Materie, die den Naturgesetzen unterliegt, zurückführbar ist. In der Biologie der Glaube, dass alle Lebensphänomene sich chemisch oder physikalisch erklären lassen. Eng verbunden mit der mechanistischen Theorie, dem Materialismus und dem Atomismus.

Regulation: Die normale Entwicklung eines Embryos trotz weitreichender Eingriffe in seine Struktur, etwa durch Entfernung, Hinzufügung oder Austausch von Teilen. Ein halber Seeigel-Embryo entwickelt sich beispielsweise zu einer zwar kleineren, aber normal proportionierten Larve und schließlich zu einem normalen Seeigel.

Synapse: Ein Gebiet des funktionellen Kontakts zwischen den Nervenzellen oder zwischen Nervenzellen und Nervenendorganen, die die Nervenimpulse an Muskeln, Drüsen etc. weitergeben.

Systemtheorie: Eine Form des Holismus, die sich mit Organisation und Eigenschaften von Systemen aller Komplexheitsgrade befasst. Die frühen Anstöße zu diesem Ansatz rühren aus den Bemühungen her, Parallelen zwischen physiologischen Systemen und sozialen Systemen aufzuzeigen. Der System-Ansatz ist grundlegend von der Kybernetik beeinflusst worden. Charakteristisch für das Systemdenken ist die Metapher der sich selbst regulierenden Maschine.

Teleologie: Die Lehre von den Zielen oder finalen Ursachen; die Erklärung der Phänomene anhand von Zielen und Zwecken. Teleonomie: Die Wissenschaft der Anpassung. Nach Dawkins ist «Teleonomie im Grunde Teleologie, die durch Darwin respektabel gemacht wurde». Die Zweckmäßigkeit der Strukturen und Funktionen und des Verhaltens von Organismen wird durch evolutionäre Anpassung aufgrund von natürlicher Auslese erklärt.

Vererbung: Die Weitergabe von Merkmalen an die Nachkommenschaft. Ursprünglich wurden dazu auch erworbene Merkmale und Lebensgewohnheiten gezählt. In der modernen Biologie gelten nur noch die Gene als vererbbar (s. auch Mendelsche Vererbung und Neodarwinismus). Die Hypothese der Formenbildungsursachen meint mit diesem Begriff nicht nur die genetische Vererbung, sondern auch die Vererbung morphischer Felder durch morphische Resonanz.

Vitalismus: Die Lehre, dass lebendige Organismen wahrhaft lebendig sind, im Gegensatz zur Auffassung der mechanistischen Theorie, dass sie unbelebt und mechanisch seien. Die Organisation des Lebendigen hängt von zielgerichteten Vitalfaktoren ab (vgl. Entelechie), die sich nicht auf die bekannten Gesetze der Physik und Chemie zurückführen lassen. Der Vitalismus ist eine weniger ausgeprägte Form des Holismus als der Organizismus, da er die mechanistische Grundannahme akzeptiert, dass die Gegenstände der Physik und Chemie unbelebt und im wesentlichen mechanisch sind.

aus: Rupert Sheldrake: Das Gedächtnis der Natur. München (Verlag Piper) 1993