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Richard Dawkins zu Besuch
Richard Dawkins, kämpferischer Atheist und Autor des Buches "Der Gotteswahn",
ist Professor für das öffentliche Verständnis von Wissenschaft an der
Universität von Oxford. Er ist aktiv in der Vereinigung CSI (früher CSICOP),
einer international tätigen Skeptiker-Organisation, und unterstützt tatkräftig
James Randi, eines ihrer prominentesten Mitglieder. Zuvor verfasste er Bücher
zur Evolutionsbiologie, darunter am bekanntesten "Das egoistische Gen". Im Jahr
2007 besuchte er Rupert Sheldrake, um ihn für seine Fernsehserie "Enemies of
Reason" (Feinde der Vernunft) zu interviewen. Richard Dawkins ist ein Mann mit
Überzeugungen. Er sieht seine Aufgabe darin, Religion und Aberglaube auszurotten
und sie vollständig durch Wissenschaft und Vernunft zu ersetzen. Der britische
Fernsehsender Channel 4 bot ihm dazu häufig eine Plattform. In einer
zweiteiligen polemischen Sendung im August 2007 unter dem Titel "Feinde der
Vernunft" setzte er seine Angriffe gegen die Religion fort, die er im Jahr 2006
unter dem Titel "The Root of All Evil?" (Die Wurzel allen Übels?)
veröffentlichte.
Kurz bevor die Sendung "Feinde der Vernunft" gefilmt wurde, teilte mir die
Produktionsfirma (IWC Media) mit, dass Dawkins mich besuchen wolle, um mit mir
über meine Forschungen zu bislang nicht erklärten Fähigkeiten von Mensch und
Tier zu sprechen. Ich zögerte, daran teilzunehmen, doch die Vertreterin der
Firma versicherte mir, "dieser Dokumentarfilm wird auf Wunsch von Channel 4
ausdrücklich entschieden ausgewogener sein, als "The Root of All Evil" es war".
Sie fügte noch hinzu: "Wir sind sehr daran interessiert, dass dies ein Gespräch
zwischen zwei Wissenschaftlern wird, in der es es um die Wege der
wissenschaftlichen Forschung geht." Schließlich willigte ich ein und wir machten
einen Termin aus. Ich war mir immer noch nicht sicher, was das wohl geben
könnte. Würde Richard Dawkins dogmatisch auftreten und alle Fakten abwehren, die
seinen Ansichten widersprechen? Oder würde er offen für Neues sein, so dass wir
ein angenehmes Gespräch führen könnten?
Der Regisseur bat uns, einander gegenüber zu stehen. Man filmte mit einer
tragbaren Kamera. Dawkins fing an und sagte, wir seien uns wahrscheinlich in
vielen Dingen einig, und fuhr fort: "Doch was mir bei Ihnen Sorgen macht, ist,
dass Sie bereit sind, fast alles zu glauben. Wissenschaft sollte möglichst wenig
auf Glauben beruhen."
Ich stimmte zu, dass wir viel gemeinsam haben, und sagte: "Aber was mir bei
Ihnen Sorgen macht, ist, dass Sie den Anschein erwecken, ein Dogmatiker zu sein,
so dass den Leuten ein schlechter Eindruck von Wissenschaft vermittelt wird."
Er fuhr fort, wenn er in verliebter Stimmung sei, möchte er auch gern an
Telepathie glauben, aber dafür gebe es einfach keine Beweise. Alle Forschung auf
diesem Gebiet wies er rundweg ab. Dass Wissenschaftler wie er Telepathie
ablehnten, verglich er mit der Entdeckung des Ortungssystems der Fledermäuse
mittels Ultraschall, das man in den 1940-er Jahren entdeckte und dann auch sehr
schnell in der Wissenschaft anerkannte. Wie ich später herausfand, hatte Lazzaro
Spallanzani schon 1793 gezeigt, dass Fledermäuse sich zur Orientierung auf ihr
Gehör stützen, doch skeptische Gegner wiesen seine Experimente als fehlerhaft
zurück, was die Forschung weit über ein Jahrhundert zurückwarf. Doch Dawkins
erkannte, dass Telepathie von größerer Brisanz sei als Echoortung. Er sagte:
"Wenn es das wirklich gibt, dann stellt es die physikalischen Gesetze völlig auf
den Kopf." Und er fügte hinzu: "Außerordentliche Behauptungen erfordern
außerordentliche Beweise."
Ich erwiderte: "Das kommt darauf an, was man als außergewöhnlich ansieht. Die
meisten Menschen sagen, sie haben Telepathie schon erlebt, besonders beim
Telefonieren. Insofern ist das etwas ganz Gängiges. Außerordentlich ist die
Behauptung, dass die meisten Menschen sich in Bezug auf ihre Erfahrung täuschen.
Wo sind die außergewöhnlichen Beweise dafür?"
Er trug keinerlei Beweise vor, sondern sprach nur ganz allgemein über die
Fehlbarkeit menschlicher Urteile. Seiner Meinung nach wollen die Leute einfach
gern an "paranormale Erscheinungen" glauben.
Wir einigten uns, dass man kontrollierte Experimente braucht. Ich sagte, dass
ich aus diesem Grund genau solche Experimente durchgeführt hätte, unter anderem
um herauszufinden, ob Leute wirklich sagen können, wer anruft, wenn man die
anrufende Person per Zufallsgenerator auswählt. Die Ergebnisse lagen weit über
dem zu erwartenden statistischen Durchschnittswert.
In der Woche vorher hatte ich Dawkins Kopien von einigen meiner Aufsätze
zugesandt, die in wissenschaftlich akzeptierten Zeitschriften erschienen waren,
damit er sich mit den Fakten vertraut machen konnte.
Dawkins erschien unsicher und sagte: "Ich will hier nicht über Beweise
diskutieren." "Warum nicht?" fragte ich. "Dafür haben wir keine Zeit. Das ist zu
kompliziert. Und darum geht es in dieser Sendung gar nicht." Dann hielt die
Kamera an.
Auch der Regisseur, Russell Barnes, bestätigte, er sei nicht an Beweisen
interessiert. In seinem Film solle es einfach um eine Fortsetzung der Polemik
Dawkins' gehen.
Ich sagte zu Barnes: "Wenn Sie Telepathie als irrational ansehen, dann ist doch
jeder Beweis dafür oder dagegen von entscheidender Bedeutung. Wenn Telepathie
wirklich vorkommt, ist es gerade nicht irrational, daran zu glauben. Ich dachte,
genau das wollten Sie hier herausfinden. Ich habe von Anfang an klar gemacht,
das ich kein Interesse daran habe, an einer miesen Verunglimpfungsshow
mitzumachen."
Darauf Dawkins: "Das ist keine miese Verunglimpfungsshow, sondern eine seriöse
Verunglimpfungsshow."
"Wenn das so ist", erwiderte ich, "dann liegt hier ein schweres Missverständnis
vor, denn mir wurde zugesichert, dass das hier eine ernsthafte wissenschaftliche
Diskussion über Beweise werden sollte." Russell Barnes wollte die Mails sehen,
die ich von seiner Assistentin erhalten hatte. Er las sie mit offensichtlichem
Missvergnügen und sagte dann, die Zusicherungen, die man mir gegeben hatte,
seien unzutreffend gewesen. So packte das ganze Team ein und ging wieder.
Schon seit langem verkündet Richard Dawkins seine Überzeugung, dass
parapsychologische Phänomene ein Humbug seien. Leute, die das vertreten, sind
seiner Ansicht nach Betrüger und Scharlatane. Diese Ansicht sollte durch seine
Sendung "Feinde der Vernunft" untermauert und weiter bekannt gemacht werden.
Fördert er mit solchen Aktionen aber wirklich "das öffentliche Verständnis von
Wissenschaft", wie es sein Lehrstuhl in Oxford ausweist? Ist Wissenschaft dazu
gedacht, Vorurteile zu verbreiten, eine Art fundmentalistisches Glaubenssystem?
Oder ist sie nicht eine Methode zur Erforschung des Unbekannten?
Quelle im Internet auch:
"I know I'm right, so why be fair?" (11.01.2008)
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