Über Rupert Sheldrake
 

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Rupert Sheldrake in der Diskussion.
Das Wagnis einer neuen Wissenschaft des Lebens.


Angestiftet und herausgegeben von
Hans-Peter Dürr und Franz Theo Gottwald

erschienen im Scherz-Verlag 1997

Inhaltsverzeichnis

Einleitung der Herausgeber

I Diskussionsgegenstand
Rupert Sheldrake: Einführung

II Anreicherung der Empirie
Dorit Urd Feddersen-Petersen: Domestikation und die Mensch-Haustier-Beziehung
Kurt S. Zänker: Zellkommunikation und die Theorie morphischer Felder
Janis A. Rozé: Die Bedeutung der morphischen Resonanz in der Biologie, in den Naturwissenschaften und in der Gesellschaft
Gary E. Schwartz: Morphische Resonanz und systemisches Gedächtnis. Die Yale-Arizona Hebräisch-Studien

III Kritische Reflexion der Empirie
Suitbert Eertel: Morphische Resonanz auf dem Prüfstand des Experimentes
Arnim Bechmann: Das morphische Feld - eine tragfähige Forschungshypothese?
Hans Werner Ingensiep: Biologische Morphogenese aus theoretischer und historischer Perspektive
Klaus Michael Meyer-Abich: Gestaltbildung im kulturellen und natürlichen Mitsein

IV Erklärungsmuster und -modelle
Friedrich Cramer: Die Thesen von Rupert Sheldrake im Lichte moderner entwicklungsbiologischer Forschung
Fritz-Albert Popp: Morphogenetisches und morphisches Feld aus der Sicht der Biophysik
Amit Goswami: Eine quantentheoretische Erklärung von Sheldrakes morphischer Resonanz
Hans-Peter Dürr: Sheldrakes Vorstellungen aus dem Blickwinkel der modernen Physik
Franz-Theo Gottwald: Nama-rupa - die Macht des schöpferischen Wortklangs

V Abschlussdiskussion
Trialog Rupert Sheldrake - Hans-Peter Dürr - Franz- Theo Gottwald

Anhang
Die Autoren
Anmerkungen
Literatur

Einleitung der Herausgeber

Anlass und Anliegen des Buches

In den vergangenen Jahren erregte Rupert Sheldrake mit seinen Büchern A New Science of Life: The Hypothesis of formative Causation (1981) und The Presence and the Past: Morphic Resonance and the Habits of Nature (1988), in denen er seine unkonventionelle Theorie der morphogenetischen Felder vorstellte, große Aufmerksamkeit. Vor allem jedoch auf sein jüngstes, populärwissenschaftliches Buch Sieben Experimente, die die Welt verändern könnten - Anstiftung zur Revolutionierung des wissenschaftlichen Denkens (1994 im Scherz Verlag erschienen) reagierte die breite Öffentlichkeit mit besonders lebhaftem Interesse, das durch die Medien mit zahlreichen Artikeln, Fernseh- und Hörfunkbeiträgen noch weiter verstärkt wurde.

Um dieses rege Interesse an Sheldrakes wissenschaftlichen Vorstellungen von seiten der Medien und der Öffentlichkeit konstruktiv aufzufangen und zu fördern, wurden von der Schweisfurth-Stiftung zwei Projekte initiiert:

Für weiterführende empirische Untersuchungen der von Sheldrake angeregten Art wurde eine Koordinationsstelle für den deutschsprachigen Raum eingerichtet, die als Anlaufstelle für interessierte Laien, Wissenschaftler und Journalisten diente. Hier wurden seitdem über 500 Erfahrungsberichte zu den verschiedenen von Sheldrake genannten Phänomenen gesammelt, kategorisiert und in eine internationale Datenbank eingegeben, die nun als Grundlage für eine Auswertung dienen kann. Neben der begleitenden Pressearbeit ging es dabei vor allem um den Aufbau eines Netzwerks von interessierten Laien, die quasi als Amateur-Forscher eigene Experimentiertätigkeit im Sinne von systematisch angelegten Beobachtungen begannen.

Darüber hinaus sollte ein ernsthafter Versuch gemacht werden, die Wissenschaft stärker in eine Diskussion über die Sheldrakeschen Vorstellungen elnzubeziehen. Im Kontrast zu dem auffällig großen Interesse bei Medien und Öffentlichkeit überraschte viele das völlige Desinteresse, sich mit den exotischen Thesen von Rupert Sheldrake auf wissenschaftlicher Basis - und sei es auf noch so kritische Weise - auseinanderzusetzen. Obwohl Rupert Sheldrake von seiner wissenschaftlichen Ausbildung und Qualifikation her (Studium der Philosophie in Harvard, Promotion in Biochemie in Cambridge) als Mitglied der internationalen «scientific community» anzusehen ist, fand eine kritische Auseinandersetzung bislang, von einigen wichtigen Ausnahmen abgesehen, vorwiegend in den Medien und auf entsprechend populärwissenschaftlichem Niveau statt.

Diese Reaktion ist nicht erstaunlich. Die etablierte Wissenschaft ist gegenüber radikal Andersdenkenden extrem zurückhaltend und misstrauisch. Und dies, statistisch betrachtet, mit gutem Recht. Wer in der Wissenschaftszunft zu Hause ist, weiß, wie ungeheuer selten eine neue ausgefallene Idee die erhofften und angekündigten Früchte trägt. Selbst ein so kreativer Forscher wie Werner Heisenberg hat einmal gesagt: «Ein erfolgreicher wissenschaftlicher Revolutionär ist ein konservativer Geist. Denn nur wer minimal von geläufigen Erfahrungen in seinen Annahmen abweicht, wird ausreichend den Überblick behalten und nicht im Dickicht der vielen sich öffnenden Fragen hängenbleiben». Dies heißt nicht, dass man nicht trotz alledem immer wieder mutige Versuche mit ganz neuen Ansätzen wagen muss, insbesondere dort, wo in der herkömmlichen Beschreibung und Deutung große Lücken klaffen. Alle neuen Vorstellungen, so auch Sheldrakes, sind zunächst vage und wenig griffig, sie eignen sich nur begrenzt für bessere Erklärungen und widerstreben den Denkgewohnheiten der einschlägigen Experten. Hier können nur Konkretisierung und größere Schärfe weiterhelfen, weil dies bessere Ansatzpunkte für empirische Nachweise liefert. Genau in diese Richtung zielt Sheldrake mit seinem Sieben-Experimente-Buch, allerdings auf die Gefahr hin, dabei Gebiete zu betreten, die für eine eindeutige Stütze seiner Kernhypothesen nur ungenügend geeignet erscheinen. In seiner Auseinandersetzung mit den Naturwissenschaftlern findet sich Sheldrake außerdem mit seiner Theorie gewissermaßen im Niemandsland zwischen den von Form-Denkern zu Stoff-Denkern arrivierten Biologen und den in der Zwischenzeit von Stoff-Denkern zu holistischen, nicht-materialistischen Form-Denkern gewordenen Physikern. Was bei Sheldrake den einen zu «altmodisch vitalistisch» erscheint, ist für die anderen zu «altmodisch objektivistisch». Vielleicht prädestiniert aber gerade diese Zwischenstellung Sheldrakes Theorie dazu, Brücken zwischen verschiedenen, heute miteinander ringenden biologischen Weltansichten zu schlagen und herrschende Naturwissenschaft mit verdrängter Naturwissenschaft und Außenseiter-Wissenschaft konstruktiv zu verbinden sowie der Naturwissenschaft allgemein den Einstieg in eine «Nachmaterialistische Wissenschaft», wie sie schon von der modernen Physik vorgezeichnet wird, zu erleichtern.

Zielsetzung und Absicht

Angesichts dieser Situation möchten die Schweisfurth-Stiftung und die beiden Herausgeber mit der vorliegenden Publikation eine öffentliche Plattform für einen solchen Brückenschlag schaffen und die internationale Wissenschaft zu einem offenen und intensiven wissenschaftlichen Diskurs darüber einladen.

Sheldrakes Theorie der morphischen Felder soll hierbei als Einstieg dienen. Durch eine interdisziplinäre kritische Würdigung verschiedener Aspekte seiner Hypothese, bei der insbesondere auch Gegenmeinungen voll zur Sprache kommen, sollen die Bedeutung und Tragfähigkeit seines Ansatzes geprüft werden und gegebenenfalls Anstöße für weitere Forschungen zur Klärung von Sachfragen in den von der Theorie berührten Disziplinen angeregt werden.

Aufbau des Buches

Das Buch ist als Sammlung von unabhängigen Beiträgen international renommierter Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler konzipiert, die jeweils aus der Sicht ihres Faches kritisch Stellung zu Sheldrakes Vorstellungen beziehen und deren mögliche Relevanz für ihre Disziplin ausloten. Die Autoren repräsentieren dabei eine Vielfalt von Disziplinen, Ansatzpunkten und Standpunkten, die nicht in Vorgesprächen ausdiskutiert wurden. Einige der Autoren haben aber mit Sheldrake schon mehrfach persönlich Dialoge geführt, die in ihre Arbeit Eingang gefunden haben. Die durch den Entstehungsprozeß des Buches bedingten unvermeidlichen Inhomogenitäten und nur geringen Möglichkeiten für Wechselbeziehungen zwischen den einzelnen Beitragenden sind nicht nur von Nachteil. Die fehlende Glätte schafft gute Voraussetzungen, um eine breitgefächerte, lebendige Diskussion in Gang zu setzen.

Mit dem einführenden Statement von Rupert Sheldrake werden die Grundlinien seiner Theorie zusammenfassend und pointiert als Ausgangs- und Bezugspunkt für die folgenden Diskussionsbeiträge vorangestellt.

Die Diskussion beginnt zunächst mit Beiträgen, die möglicherweise die Sheldrakeschen Vermutungen empirisch bereichern und unterstützen könnten. Hier werden weitere Phänomene beschrieben im Bereich der Haustierkunde (Dr. Dorit Feddersen-Petersen: Domestikation und die Mensch-Haustier-Beziehung), der Immunologie (Prof. Dr. Dr. Kurt Zänker: Zellkommunikation und die Theorie morphischer Felder), der Biologie (Prof. Janis A. Rozé: Die Bedeutung der morphischen Resonanz in der Biologie, in den Naturwissenschaften und in der Gesellschaft) sowie der Psychologie (Prof. Dr. Gary Schwartz: Morphische Resonanz und systemisches Gedächtnis. Die Yale-Arizona Hebräisch-Studien). Diese Beiträge enthalten eine Vielzahl von schwer oder nicht erklärbaren Phänomenen, die mögliche Anwendungsbeispiele für Sheldrakes Hypothese sein könnten. Doch die Sachlage ist meist so komplex, dass kaum eindeutige Schlüsse zu erwarten sind.

Der zweite Teil enthält Beiträge, in denen die empirische Basis der Sheldrakeschen Hypothese kritisch unter die Lupe genommen wird. Hierunter sind Untersuchungen im Rahmen der Psychologie (Prof. Dr. Suitbert Ertel: Morphische Resonanz auf den Prüfstand des Experimentes), eine allgemeine kritische Reflexion des experimentellen Materials und seiner Deutungen (Prof. Dr. Arnim Bechmann: Das morphische Feld - eine tragfähige Forschungshypothese?) sowie kritische Betrachtungen über den Erklärungs- und Verständnisgewinn durch Sheldrakes Hypothese mit Blick auf die Biologie (Hans-Werner Ingensiep: Biologische Morphogenese aus theoretischer und historischer Perspektive) und die Kulturwissenschaften (Prof. Dr. Klaus-Micnael Meyer-Abich: Gestaltbildung im kulturellen und natürlichen Mitsein).

Im dritten Teil wird weniger auf die empirische Stützung der Sheldrakeschen Hypothese eingegangen, sondern die prinzipielle Frage nach der Existenz und genauen Wirkungsweise morphischer Felder gestellt. Insbesondere wird untersucht, ob, erstens, die von Sheldrake aufgeführten exotischen Phänomene nicht auf andere Weise im Rahmen der konventionellen Wissenschaft erklärt werden können oder auch, zweitens und unterstützend für Sheldrake, ob die morphischen Felder mit den ihnen zugedachten Eigenschaften eine solide Grundlage im Rahmen der modernen Quantenphysik erhalten könnten, so daß diesen Phänomenen aus moderner Sicht eigentlich nichts Exotisches mehr anhaftet. Ein Meinungsunterschied der Naturwissenschaftler resultiert hierbei im wesentlichen aus ihrer unterschiedlichen Berücksichtigung der quantenphysikalischen holistischen Grundstruktur der Materie. Hier findet sich ein Beitrag von der ersten Art aus der («stofforientierten») experimentellen Medizin und Molekularbiologie (Prof. Dr. Friedrich Cramer: Die Thesen von Rupert Sheldrake im Lichte moderner entwicklungsbiologischer Forschung) und («formorientierte») Beiträge der zweiten Art aus den Gebieten der Biophysik (Prof. Dr. Fritz-Albert Popp: Morphogenetisches und morphisches Feld aus der Sicht der Biophysik), der Theoretischen Naturwissenschaften (Prof. Dr. Amit Goswami: Eine quantentheoretische Erklärung von Sheldrakes morphischer Resonanz) und Quantenphysik (Prof. Dr. Hans-Peter Dürr: Sheldrakes Vorstellungen aus dem Blickwinkel der modernen Physik). Dieser Teil wird abgeschlossen durch eine vergleichende und denkgeschichtlich kritische Betrachtung aus der Sprachphilosophie (Dr. Franz-Theo Gottwald: Nama-rupa - die Macht des schöpferischen Wortklangs. Bemerkungen zur Formenbildung aus der Sicht indischer Sprachphilosophie). Den Schluss bildet ein Trialog zwischen Rupert Sheldrake und den beiden Herausgebern. Im Dreiergespräch werden einige kontroverse Punkte nochmals aufgegriffen, um Grenzen und Entfaltungspotentiale einer Theorie der morphischen Felder aufzuzeigen, ihre Konsequenzen für die verschiedenen Disziplinen und auch für den Wissenschaftsbegriff aufzuspüren sowie mögliche Ansatzpunkte für weitere Untersuchungen anzudeuten.

Wir wünschen uns, dass dieses Buch seine Leserinnen und Leser zu einer lebendigen Diskussion um Grenzen und Erweiterung des herkömmlichen wissenschaftlichen (Selbst-)Verständnisses einlädt und so einen stimulierenden Beitrag zur Öffnung und Evolution der Wissenschaft leistet.

München, April 1997

Hans-Peter Dürr
Franz-Theo Gottwald
 

   

 


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